DAVID LIESE. |
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wieviel finalsatz verträgt das menschliche wesen?
auch (aber keineswegs nur) darum geht es in meinem neuen film. arbeitstitel übrigens: “last supper”. mehr in kürze.
2012 wird es viel Neues von mir geben… natürlich den bereits abgedrehten Kurzfilm “Lebenswinter”, außerdem möchte ich ein tourfähiges Bühnenprogramm inszenieren… und wer weiß, was das neue Jahr noch so bringt?
Es war ja bereits abzusehen, aber jetzt zeichnet es sich immer deutlicher ab: Ausgerechnet unser Drehwochenende wird von Regen und viel Wind heimgesucht werden. Na toll!
Aber Krise kriegen hilft nicht viel. Also, Hirn eingeschalten, nachgedacht, und Alternativvarianten für die betreffenden Außenszenen einfallen lassen… idealerweise so, dass die bereits geplanten Shots trotzdem weitestgehend beibehalten werden können.
In drei Tagen geht’s dann los. Dann wird sich zeigen, wie gut der Dreh wirklich vorbereitet ist :)!
Eieiei, viel zu viel zu tun…
Requisiten und Kostümteile werden bei Ebay und Konsorten zusammengekauft, immer mit bangem Blick aufs Konto, das ja die Weihnachtszeit auch noch irgendwie standhalten muss. Shootlist, Storyboard und Drehplan liegen vor, die Technik ist auch beisammen…
Das Wetter scheint uns leider eine Schneekulisse vorzuenthalten. Scheiße! Aber es lässt sich nicht ändern, eine Absage des Drehs kommt ob mangelnder Alternativen nicht in Frage. Wer braucht schon Schnee für einen Film, der “Lebenswinter” heißt? Was lehren die Großen der kreativen Filmemacherei mit ohne Geld? Richtig, improvisieren muss man können. So gut es geht vorbereiten, um dann alles noch besser zu improvisieren.
Das Beste und Wichtigste aber ist, dass das gesamte Team enorm hoch motiviert zu sein scheint und darauf brennt, den Film zu machen. Was kann man sich eigentlich mehr wünschen?
Großbritannien in den 1980ern: Die Thatcher-Ära in ihrer Hochzeit. Der Neoliberalismus blüht auf, und in nicht wenigen Gegenden Englands zieht die soziale Kälte eisig durch die Backsteingassen. In diesem Umfeld findet der zwölfjährige Shaun - ein echter “troubled boy”, ein Außenseiter, der Vater im Falklandkrieg gefallen, die Mutter besorgt, aber scheinbar überfordert - Anschluss bei einer Gruppe von Skinheads, die ihn in ihren Reihen willkommen heißt. Zusammen wird in baufälligen Hütten randaliert, getrunken und geraucht, und Shaun, der sich schnell auch äußerlich anpasst, genießt die neue Aufmerksamkeit und den engen Zusammenhalt innerhalb der Gruppe. Doch als Combo, ein ehemaliges Gangmitglied, aus dem Knast freikommt, verändert sich die Atmosphäre schnell: Von der Gruppe spaltet sich eine Reihe extrem radikaler “Nationalisten” ab, die unter Combos Anführung in den britischen Straßen einen “Kampf” gegen Ausländer und “Schmarotzer” führen will. Shaun, der glaubt, sein Vater sei nur dann stolz auf ihn, wenn er sich den Rechten anschließt, geht mit Combo, und schnell werden die ersten Opfer zusammengeschlagen…
Was Shane Meadows in “This is England” macht, ist kongenial; auf frische, erstaunlich wenig melodramatische Weise bildet er nicht nur die Situation Englands während der Amtszeit Maggie Thatchers ab, sondern zeigt vor allem auf, wie sich faschistische Gruppierungen rekrutieren, welche Attraktivität sie auf (eigentlich völlig unpolitische) Köpfe wie den des kleinen Shaun ausüben können und welche Gefahr von ihnen ausgeht. Es geht nicht um Troublemaking, ums Aussteigen und Mittelfingerschwingen, wie es die Punkbewegung zur selben Zeit vor- und ausgelebt hat, sondern um ein aktives Vorgehen gegen alles, was scheinbar wider das Interesse des eigenen Vaterlands geht.
Dabei vermeidet es Meadows nicht, seinen Film zu einem notwendigen politischen Statement zu stilisieren: Starke Bilder, wie das des Versenkens der englischen Flagge am Ende des Films, sprechen eine eindeutige Sprache. Die Message kommt dennoch nicht - wie bei Nazi-Dramen üblich - mit dem Holzhammer daher; sie stellt sich vielmehr im Kopf des Zuschauers ein. Nazis sind “auch nur Menschen”, und zwar in den meisten Fällen solche, die enttäuscht sind von der Gesellschaft und sich auf der Suche nach Sündenböcken immer tiefer in menschenverachtende Ideologien verrennen. Dass dabei selbst die scheinbar starke kameradschaftliche Struktur, die quasi zur neuen Familie für ihre Mitglieder wird, letztlich nur lose und fragil ist, zeigt Meadows in “This is England” ebenfalls eindrucksvoll.
Neoliberale Politik mit ihrer starken und zwingenden Komponente der sozialen Verarmung drängt große Teile der Unterprivilegierten in Apolitik und im schlimmsten Falle in faschistische Gedankengebäude. Gerade in dieser Zeit, in der man in Deutschland gerade wieder entdeckt, dass Nazis böse sind, eine nicht oft genug zu wiederholende Botschaft.
Volle Punktzahl für “This is England”!
Bildquelle: imdb.com
Mittlerweile sind sowohl alle Cast- als auch Crewfragen geklärt. Die Shotlist ist fertig und das Storyboard ebenfalls zu guten zwei Dritteln abgeschlossen. Notwendige Requisiten und Kostüme werden Stück für Stück rangeschafft bzw. klargemacht… es läuft!
Was nach wie vor für einige Unsicherheiten sorgt, ist vor allem die Wetterfrage. Schnee oder nicht Schnee, Nebel oder nicht Nebel, das alles kann die Optik des Films so fundamental verändern, dass man kaum darüber nachdenken möchte, was es mit den so fleißig ausgearbeiteten Shots anstellen könnte… gerade, da ein guter Teil des Drehs nachts stattfinden wird!
Andererseits sind wir mit genügend Lightpower ausgestattet, um uns auf nahezu jede Situation einstellen zu können, und unser Drehort bietet genug Setalternativen, so dass es im Zweifelsfall eigentlich wieder mal nur auf genügend Flexibilität und Kreativität ankommt. Davon bringen wir eine Menge mit!
Mittlerweile ist der Dreh so nahe, dass ich kaum noch etwas anderes im Kopf habe… schließlich steht viel auf dem Spiel. Wenn wir gut sind, machen wir einen kick-ass-Film, der unser aller beruflicher Zukunft äußerst zuträglich sein kann. Wenn nicht, wäre es aber auch viel Mühe (fast) umsonst… aber Druck ist gesund, um arbeiten zu können!

Schluss mit der Geheimniskrämerei: Unser neues Projekt wird den Titel “LEBENSWINTER” tragen und ein Kurzfilm sein. Wir werden ihn im Dezember im bayerischen Wald abdrehen. Beteiligte Schauspieler sind Niko Holz, Nadine Schwabe, Benjamin Oeser und Lisa Reinheckel.
Für alle Neugierigen gibt es jetzt exklusiv die erste Seite des Drehbuchs zum “anlesen” und - hoffentlich - noch gespannter werden:
Hier geht’s zum Drehbuchauszug!
Lasst uns eure Meinung wissen und bleibt auf dem Laufenden!
Gestern hab ich’s mir mal wieder gegeben. Seit dem durchaus sehenswerten “Cloverfield” ist “Paranormal Activity 3” der erste Mockumentary, den ich mir ansehen wollte, und insgesamt sogar der allererste, der mich ins Kino gelockt hat.
Von Minute eins an bekommt man das, was man erwartet; pseudo-realistische Hand- und vor allem Überwachungskameraaufnahmen, die die mysteriösen Vorkommnisse in einem Familienhaus Ende der achtziger Jahre dokumentieren. Da ist ein Mädchen, das mit dem Geist wie mit einem unsichtbaren Freund spricht, ihre Schwester, ihre Mutter und der Stiefvater, der dem Unerklärlichen unbedingt auf die Schliche kommen will.
Stark machen den Film vor allem die statischen, dem Zuschauer irgendwann unbehaglich vertrauten Bilder der im Haus aufgestellten Kameras. Man ist auf jedes Detail fixiert, das sich verändern und Hinweis auf übernatürliches Geschehen sein könnte. So passiert dann auch über neunzig Prozent des Films so gar nichts paranormales, was die wenigen, gegen Ende immer expliziter werdenden Angriffe des Hausgeists umso effektiver macht. Nicht selten wird dabei auch mit dem für dieses Genre typischen “falschen Alarm” gespielt - die Fratze, die aus dem Schrank springt, gehört der Mutter, die ihren Freund verulken will, und die Gestalt, die wie aus dem nichts auftaucht, ist nur die Tochter, die sich aus Spaß angeschlichen hat.
Schwach sind dagegen nicht nur die - wie erwartet - dünne Handlung, sondern auch die stellenweise absolut dämlichen Verhaltensweisen der Protagonisten. Zudem ist es für den Zuschauer eigentlich jederzeit ersichtlich, wann der Geist zuschlagen wird, und nicht mal die Plotwendung in der letzten Viertelstunde des Films kommt wirklich überraschend. Zudem rutscht der Film einige Male in (unfreiwillige) Komik ab, die die Spannung an vielen Stellen allzu harsch kaputtschneidet.
Alles in Allem ist “Paranormal Activity 3” wie eine Geisterbahnfahrt, eine Kinokarte für anderthalb Stunden Erschrecken, eine echte Suspense-Säge mit einigen stumpfen Zähnen, einhundertprozent Effekt, null Prozent Inhalt. Die scheinrealistischen Aufnahmen sind und bleiben ein Patentrezept, um erschreckend billig Erschrecken zu produzieren - ein bisschen mehr Innovation darf man aber dann doch erwarten.
Drei Davids von fünf, oder so…
Das Internet ist die Zukunft, sagt man - besonders für Medien ist es als Werbe-, Informations-, Kommunikations- und auch Vertriebsweg zur unangefochteten Nummer Eins geworden. Ich selber gehöre zur Generation Internet, bin damit aufgewachsen und lebe zu einem guten Teil im Cyberspace - es wird also Zeit, dass ich diesen Blog weiter mit Sinn anfülle und nicht nur Content zum Filmemachen aufsauge, sondern auch zurückgebe :-).
Wir befinden uns am Anfang einer sehr, sehr kurzen Pre-Productionphase für unser neues Projekt, dessen Namen und Wesen in den nächsten Tagen veröffentlicht werden soll. Zur Zeit geht jede freie Minute in Casting, Drehplanung, -vorbereitung, Kalkulation etc. pp. - das liegt daran, dass der Film in 3 1/2 Wochen bereits abgedreht und auf Festplatte an meinem Schnittplatz hängen soll. Terminliche Engpässe, Weihnachten und die Feiertage und die Jahreszeit drängen uns zu diesem Marathon. Gottseidank steht wenigstens der Drehort bereits seit einer Woche fest - ein altes, abgeschiedenes Gehöft im bayerischen Wald, das wir über ein verlängertes Wochenende hinweg zum Dreh nutzen können, wird uns als Kulisse dienen.
Ich schneidere eifrig an Shootlist und möchte in den nächsten Tagen mit der Arbeit am Storyboard beginnen, außerdem muss auf der finanziellen Seite noch einiges geklärt werden. Wenn alles gut läuft, wird heute Abend zudem der Cast komplett. Im Moment laufen die Dinge gut, fast zu gut, möchte man meinen - aber es gibt auch noch genug Faktoren, die ich leider nicht in der Hand habe und die uns den Dreh gehörig vermasseln können. An erster Stelle steht dabei das Wetter, das uns hoffentlich hold sein wird…
Darüber darf man jetzt noch nicht nachdenken! Positiv bleiben. Weiter arbeiten…
Die Filmemacherei ist ‘ne harte Sache.
Ständig hat man Ideen, mal mehr, mal weniger gute, fängt an, Drehbücher zu schreiben und Plots zusammenzubasteln, merkt nach ein paar Seiten oft, dass die Story doch nicht so gut ist, wie man dachte… aber diese eine Figur, dieser eine Charakter, der lässt einen nicht mehr los - was fängt man mit ihm an?
Also bleibt das Fragment als Datei auf der Festplatte gespeichert, die schon allzusehr verramscht ist mit hunderten solcher schreiberischen Fehlgeburten.
Irgendwann klappt’s dann doch, eine Idee fesselt so sehr, dass ein Buch daraus entsteht, ein “first draft”, an dem noch viel editiert werden muss, das im Grunde aber fertig zum verfilmen ist. Wenn dieser Zeitpunkt erreicht ist, wird’s erst richtig zäh.
Wie umsetzen, ohne die finanzielle Backpower eines Studios, einer Produktionsfirma, die mal eben eine fünf- oder gar sechsstellige Summe locker macht, um das Projekt angemessen “auf die Welt” zu bringen? Hollywood-Größen schwärmen immer von den Vorteilen, unabhängig, “indy” zu sein - die haben leicht reden, denn auch die “kleinen” Studios haben dort schnell Millionenbudgets bei der Hand. Manchmal wär ich lieber nicht “indy” und hätte dafür die Mittel bei der Hand, die ich bräuchte…
Letzten Endes spielt wohl der Faktor Glück eine enorme Rolle. Klar, viele Bücher lassen sich auch “low budget” umsetzen, aber auch “low budget” heißt ein paar Tausend Euro, und die müssen von irgendwoher fließen. Mal ganz abgesehen davon, dass sich ein Film, wenn er mal fertig ist, ja auch irgendwie gewinnbringend vertreiben lassen sollte und vor allem ein großes Publikum erreichen - sonst ist die ganze Sache nicht viel mehr als ein sich selbst befruchtendes Hobby, etwa so, wie wenn ein Tischler nur Tische für sein eigenes Wohnzimmer baut.
Wie genau aber bei der Frage der Finanzierung und des Vertriebs eben der “Glücksfaktor” in Relation zum “Harte-Arbeits-Faktor” steht, das muss ich erst noch herausfinden. Irgendwie beißt sich die Schlange aber doch in den Schwanz, denn um einen guten, überzeugenden Film abzuliefern, braucht man Geld, und das kriegt man meist nur durch Referenzen, und die… ihr versteht schon.
Gerade eben plane ich - gemeinsam mit einem fleißigen Mitstreiter - ein neues Projekt, das leicht zum Groß-, ja zum Mammutprojekt werden kann, wenn, ja wenn denn die nötige Kohle vorhanden ist. Im Moment sind die Gefühle gemischt - Vorfreude, Willen, das Ding durchzuziehen, und Zweifel, ja Angst, dass sich das ganze in einer riesigen Luftblase auflöst, ringen in meinem Kopf um die Vormachtstellung.
Aber was hilft Jammerei? Genau, gar nichts. Naja, manchmal ein bisschen. Was auch, zumindest ein wenig, hilft, ist das Wissen, dass es vielen anderen Filmemachern genauso geht wie mir… und viele von denen schaffen es auch, ihr Projekt in die Tat umzusetzen. Es ist wohl das Kreuz des Mediums Film, dass er an irgendeinem Punkt immer Kunst und Kommerz miteinander verbinden muss, und es ist eine ganz eigene Herausforderung, diese beiden Seiten so in Einklang zu bringen, dass man zumindest ein angemessenes Auskommen erreicht.
“Kunst ist kein Produkt, sie ist so nutzlos, wie etwas nur sein kann”, diesen Satz habe ich einen meiner Hauptdarsteller in “Eine Liebesgeschichte” sprechen lassen. Dahinter stehe ich, noch immer. Ich halte ihn für eine Wahrheit, nicht für Idealismus. Idealistisch und naiv ist höchstens der Glaube, dass man mit reiner Filmkunst auf einen grünen Zweig kommen kann, und das halte ich wiederum für ein gesellschaftliches Problem. Von was für einer Welt wir auch träumen, in dieser Welt sind wir gezwungen, Geld zu verdienen, dazu gezwungen, zu arbeiten - zumindest die allermeisten von uns.
Das schöne am Filmen ist es, dass man eine Möglichkeit erhält, aus einem Traum, einer Vision von einer besseren Welt auch eine eigene Welt zu machen, die dann doch auch irgendeine Form von Realität für sich beanspruchen kann.
Genug geschwafelt - weiter arbeiten…